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Unsere 100. Folge hatte am 7. März 2026 Premiere auf dem Ready. Set. Future of Coaching Festival für Mädchen, Frauen, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Personen im Fußballcoaching, organisiert Berliner Fußball-Verband. Wir haben anlässlich des Festivals über geschlechtliche Vielfalt im Fußball gesprochen und dafür zwei Gäst*innen eingeladen:

Claudia Krobitzsch ist Senior Diversity Managerin beim DFB, sie ist innerhalb des Verbandes zuständig für die Förderung von Vielfalt. Vor ihrem Schritt zum Deutschen Fußball-Bund vor einigen Jahren hat sie für die NGO FARE Network gegen Diskriminierung gearbeitet. Sie erzählt uns u.a., wie das seit der Saison 2022/23 bestehende inklusive Spielrecht des DFB für trans*, inter und nicht-binäre Menschen im Amateur*innen-Fußball funktioniert.

Jan Sindern ist aktiver Fußballer bei Westfalia Dortmund 2022. Er erzählt uns, was das inklusive Spielrecht für ihn persönlich als trans Mann bedeutet und wie wichtig es ist, eine solch klare Regelung zu haben. Jan spricht außerdem über den Support seines Teams und schließlich seiner Entscheidung, Vertrauensperson zu werden. Denn dieses Ehrenamt ist für das tin*-Spielrecht ganz zentral.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Kommunikation des Spielrechts und der Sensibilisierung für queere Lebensrealitäten innerhalb des Fußballs? Und welche Bedeutung haben Vernetzung und Sichtbarkeit für die Spieler*innen? Auch darüber sprechen wir mit Jan und Claudia. Danke an euch beide und an Safa Semsary für die Einladung zum Festival!

Wenn euch das möglich ist, freuen wir uns, wenn ihr unseren Podcast und die Bolztribüne einmalig oder regelmäßig per Dauerauftrag unterstützt. So können wir hoffentlich immer mehr Zeit in unsere Herzensprojekte stecken. Die Unterstützung ist jetzt einfacher als früher, denn wir sind nun eine Marke und eine GbR und haben ein Geschäftskonto:
Kontodaten
Bolztribüne: Annika Becker und Mara Pfeiffer GbR
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Außerdem macht ihr uns immer eine Freude mit eurem Feedback. Und wenn euch die Sendung gefällt, hinterlasst uns doch eine Rezension und Sterne auf der Plattform eures Vertrauens. Wir hören uns.

Transkription der Episode anzeigen

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Hallo Berlin!
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Das wollte ich schon immer mal sagen.
0:00:24–0:00:37
Hier ist die einhundertste Folge von "Becker und Pfeiffer, der Fußballpodcast." Und wennihr uns nur hört und nicht seht, dann wisst ihr noch nicht, dass wir hier heute nicht wie
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sonst zu zweit hier sitzen, die liebe Annika und ich, sondern zu viert, nämlich außerdemnoch mit Claudia und Jan, die wir gleich vorstellen werden.
0:00:45–0:00:47
Aber erst mal der Reihe nach.
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Warum "Hallo Berlin"?
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Wir nehmen heute nämlich nicht einfach nur für euch zu Hause auf,
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sondern auf für dasReady. Set. Future of Coaching Festival.
0:00:57–0:01:08
Deswegen einmal Hallo an alle, die in Berlin uns jetzt zuschauen und einmal Hallo an alle,die uns zuhören und zuschauen an ihren Endgeräten, so wie immer.
0:01:08–0:01:11
Und wer uns jetzt zuschaut, hat sich vielleicht gerade schon gefragt, was ich in der Handhabe.
0:01:11–0:01:12
Das zeige ich euch jetzt.
0:01:12–0:01:14
Das ist eine große Überraschung auch für alle, die hier mit mir sitzen.
0:01:14–0:01:19
Ich hoffe, ich fackel nichts ab [singt].
0:01:19–0:01:24
Das ist ein Pustekuchen, weil wir nämlich heute die 100.
0:01:24–0:01:28
Folge "Becker und Pfeiffer" feiern.
0:01:28–0:01:34
Ein Podcast, der damit angefangen hat, dass Annika und mir gesagt wurde, wenn wir malzusammen podcasten, würde sich das niemand anhören.
0:01:35–0:01:37
Das hat sich als nicht richtig herausgestellt.
0:01:37–0:01:40
Das war bezogen auf unsere Stimmen.
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Ich puste das mal näher.
0:01:41–0:01:42
Ihr müsst jetzt mal so tun, als würdet ihr pusten.
0:01:42–0:01:43
Bitte.
0:01:43–0:01:45
Ja, einmal schön aufs Mikro.
0:01:48–0:01:53
Sehr schön, wir haben es geschafft, ohne irgendwas abzufackeln und
0:01:53–0:01:55
jetzt starten wir aber ganz offiziell in den Podcast rein und die Annika verrät euch jetzt erstmal, worüber wir
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heute sprechen wollen und dann stellen wir unsere beiden famosen Gäst*innen vor.
0:02:03–0:02:14
Ja, wir sprechen heute nämlich über geschlechtliche Vielfalt und Fußball oder besser gesagt im Fußball, weil das
0:02:14–0:02:15
Ready. Set. Future of Coaching Festival
0:02:15–0:02:27
ein Programm ist, wo es eben um FLINTA*-Personen als Coachesim Fußball geht und ja.
0:02:27–0:02:32
Deswegen haben wir auch diese beiden famosen Gäst*innen, die Mara schon erwähnt hat, hier.
0:02:32–0:02:34
Wir dürfen einmal begrüßen Jan und Claudia.
0:02:34–0:02:36
Hallo ihr beiden.
0:02:36–0:02:37
Hallo!
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Hallo!
0:02:39–0:02:48
Wir haben uns gedacht, wir könnten euch jetzt natürlich vorstellen, aber dann würden wireuch ja mit dem vorstellen, was wir von außen betrachtet wichtig finden für eure Personen
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und deswegen spielen wir den Ball einfach mal zu euch rüber.
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Stellt ihr euch doch gerne mal vor und sagt, was so euer Bezug zum Fußball ist.
0:02:57–0:03:09
Ich bin Jan, bin transgender von Frau zu Mann, spiele aktuell noch in der Damen-Mannschaftbei Westfalia Dortmund.
0:03:09–0:03:18
Deswegen bin ich hier, um ein paar Fragen zu beantworten und auch mit dem Thema selbstschon sehr viel konfrontiert wurde und auch Sachen mit auf den Weg vielleicht zu geben
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oder auch zu beantworten oder zu helfen.
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Herzlich willkommen, Claudia!
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Hallo, mein Name ist Claudia, Claudia Krobitzsch ich arbeite beim DFB und bin da für Vielfalt-Förderung zuständig und so in dem Rahmen auch für das Thema geschlechtliche
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Vielfalt und bin cis Frau, meine Pronomen sind sie und ihr und ich freue mich total mit euch hier ins Gespräch zu kommen und ja, über geschlechtliche Vielfalt im Fußball und
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besonders auch darüber zu sprechen, was wir im DFB dafür tun, diese zu fördern.
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Das ist direkt mal ein guter Anknüpfungspunkt, Claudia.
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Wir haben natürlich also sowohl was unsere Hörer*innen angeht als auch sicherlich was die Leute in Berlin angeht, viele, die das Thema
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Spielordnung schon kennen, aber eben nicht alle.
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Und, um da mal alle auf einen Stand zu bringen, kannst du vielleicht mal was zurSpielordnung sagen, die seit einigen Jahren im DFB gültig ist und vielleicht auch so ein
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bisschen zu dem Prozess, der dahin geführt hat.
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Ja klar.
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Also im DFB gibt es eine inklusive Spielrechtsordnung für tin* Personen, für trans, interund nicht-binäre Personen.
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Die ist seit der Saison 2022/23 gültig und auch verbindlicher Bestandteil derDFB-Spielordnung.
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Das heißt, sie gilt für alle Landesverbände, also für den kompletten Amateurfußball, auchfür den Futsal, also für Futsal-Spiele bis hin zur Regionalliga.
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Und die Regel besagt,
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Ich fasse jetzt mal das Juristen-Deutsch der Spielregelung in einfache Worte und kürzer,dass Spieler*innen entsprechend ihrer Geschlechtsidentität sich aussuchen dürfen, ob sie
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bei den Männern oder bei den Frauen spielen dürfen.
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Es gibt ja wohl wissentlich nur zwei Spielklassen im Fußball, im binären System.
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Deswegen können sie sich aussuchen, ob sie da spielen wollen.
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Insbesondere, also das bedeutet insbesondere für Menschen, die...
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sind, also die sich von einem Geschlecht zum anderen bewegen, also in eineGeschlechtsangleichung durchlaufen, dass sie den Zeitpunkt selber bestimmen, wann die
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Transition beginnt und für den Zeitraum der Transition noch im alten Team spielen dürfenund aber auch selbstbestimmt wechseln dürfen.
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Also spätestens zum Abschluss der Transition müssen sie wechseln, wenn es von Mann zu Frauoder von Frau zu Mann geht.
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und können da aber haben da sozusagen Spielraum.
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Ziel ist das, also der Hintergrund dieser Regelung ist tatsächlich, dass wir keineSpieler*innen verlieren wollen.
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Also wenn jemand in einem Team ist und für sich Coming Out hat als trans Person, dass esda nicht heißt: "Jetzt musst du leider aufhören mit Fußballspielen", gerade in der
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Transitions-Phase.
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Und es ist halt selbstbestimmt.
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Das ist im Einklang mit dem Selbstbestimmungsgesetz, was ja auch auf Bundesebene in Deutschland gilt.
0:06:20–0:06:33
Und die Landesverbände sind sozusagen in der Umsetzung und müssen dafür auch Vertrauenspersonen für das tin* Spielrecht ernennen, die sozusagen auch den Prozess
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begleiten und unterstützen und diesen Wechsel gegebenenfalls auch mit dokumentieren unterstützen und aufklären.
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Das in aller Kürze.
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Und kannst du vielleicht was dazu sagen, wie oft das bisher so genutzt wird?
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Habt ihr da also schon irgendwie Zahlen dazu, wo du ein bisschen was dazu erzählen kannst?
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also wie gesagt, seit der Saison 2022 gilt die Regelung und wir hatten im November jetzt 2025 eine Abfrage in unseren Landesverbänden diesbezüglich, und haben die Rückmeldung
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bekommen, dass ungefähr 100 Personen, und es hält sich sogar die Waage,
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und 49 Personen
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die entweder weiblich zu männlich oder männlich zu weiblich gewechselt haben.
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Das sind also die, die sozusagen davon Gebrauch gemacht haben.
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Und wir haben ungefähr 100 Personen, die in der letzten Saison angezeigt haben, dass sie sich in eine Transition begeben.
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Ganz kurz nur für das Sprachliche, weil wir da immer irgendwie schauen, dass wir möglichst inklusiv und nicht so, dass Leute sich irgendwie, ja, unangenehm berührt fühlen,
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gewechselt, bezog sich jetzt natürlich auf die Spielklasse.
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Uns ist hier ein klar, dass niemand, genau, ja, ja, auf jeden Fall.
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an, das eben wo sie gespielt haben.
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bin, die Annika kann das erzählen.
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Ich habe mir gestern Abend eine bestimmte Podcastfolge von einer nicht gerade trans-inklusiven Person angetan und bin deswegen gerade mit dem Sprachlichen wieder sehr
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bedacht darauf zu gucken, dass es auch keine Missverständnisse gibt, weil das teilweise einfach dermaßen horrend ist.
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Genau, also mir war total klar, wie du es meinst.
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Ich wollte es nur nach außen.
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Genau.
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deswegen auch binär, weil es halt auch nur diese zwei Teams gibt.
0:08:33–0:08:33
Genau.
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Jan, du hast ja deine eigene Geschichte mit dem, also natürlich einmal mit deiner persönlichen Transition, aber dann eben auch, was die Erfahrung mit dem Spielrecht angeht.
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Kannst du vielleicht, wenn du möchtest, erst mal nur so auf den Sport bezogen sagen,
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Wie hast du das denn überhaupt erfahren, dass es die Möglichkeit gibt und wie bist du so mit deinem Verein oder auch mit deinem Team vorgegangen, um da eben einen Weg für dich zu
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finden, der einerseits für dich persönlich passt, aber andererseits eben auch, ich sag mal, rechtssicher ist oder verbandrechtssicher?
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Zu der Zeit habe ich eine kurze Zeit mal in einem anderen Team gespielt, sonst eigentlich durchgängig immer in derselben Mannschaft.
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Da war halt die Frage mit der Namensänderung, darf ich weiterspielen, darf ich nicht weiterspielen?
0:09:26–0:09:33
Da war mein Trainer noch sehr unsicher und daraufhin habe ich dann gesagt, kann ich nicht auf mir sitzen lassen, ich möchte Klarheit haben, darf ich weiterspielen, darf ich nicht
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spielen?
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Und daraufhin dachte ich mir so, an wen kann ich mich wenden, dass ich wirklich eine sichere Quelle habe, dass ich weiß, es...
0:09:40–0:09:44
kann nichts passieren in Sachen Punkte abgezogen oder irgendwas.
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Da dachte ich mir so, okay, bekannteste Person, Alexandra Popp, komm, schreibe ich sie malbei Instagram an und frage an, ob sie mir weiterhelfen kann mit Kontakten oder wie auch
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immer.
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Und dann habe ich tatsächlich einen Kontakt erhalten und dann war ein recht guter und flüssiger Austausch immer wieder.
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Und da war dann die Regel,
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die aufs Papier gebracht wurde, sag ich mal offiziell, damit wir auch ein Schriftstück hatten, wenn mal Probleme sind, dass wir sagen können, wir sind auf der sicheren Seite.
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Und bin in der Zeit tatsächlich wieder zu meinem alten Team zurückgewechselt.
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Und von daher spiel ich eigentlich mit dem Großteil der Mannschaft schon über Jahrezusammen.
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Es kennen mich viele auch schon noch vor der Transition und begleiten mich von Tag eins, wenn man es so nennen möchte.
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Und ja.
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Also unterstützen mich in jeder Situation, jeder Lage, fiebern auf jede OP mit hin und auch abseits des Platzes als auch auf dem Platz immer eine Einheit hinter mir.
0:10:41–0:10:45
Ja und so konnte ich zum Glück bis heute immer noch weiterspielen.
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Ist die letzte Saison für mich, aber trotzdem sind wir da alle in der Gewissheit, darf.
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Es kann nichts passieren, kein Aufstieg kann in Grenzen stehen aufgrund einer Regelung oder nicht genug informiert.
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Und war das was, wo du dir, als du deinen privaten Prozess durchlaufen hast, Gedanken gemacht hast, ob das überhaupt möglich sein würde?
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Also kann Sport weiter eine Rolle für dich spielen oder ist Sport was, was du potentiell, zumindest phasenweise verlieren könntest?
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Waren das Gedanken, die du dir gemacht hast?
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Ja, ich dachte schon, dass so ein zweiter Rückhalt wegbricht, mein Team, wie gesagt, kenn ich so lange und es ist eine Unterstützung, die einem Mut zusprechen, die selbst sagen, du
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wirst selbstbewusster von Schritt zu Schritt.
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Andersrum, dacht ich mir so, okay, dem Team kann ich dabei bleiben, ich hätte weiter trainieren können.
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Klar, der Wettbewerbskampf wäre da nicht da gewesen, aber wichtig wäre mir einfach gewesen, dabei zu bleiben, den Rückhalt zu haben und
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in dem Team mit drin zu sein.
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Claudia, vielleicht könntest du mal ein bisschen was dazu sagen, es ist ja nicht nur bezogen auf diese Regel, sondern generell, wenn es um das Spielrecht geht und vor allen
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Dingen, wenn es um Neuerungen im Spielrecht geht, immer so ein bisschen die Frage, waswird entschieden und wie wird es gelebt.
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Was habt ihr denn für Erfahrungen damit gemacht?
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wie tin* Personen dann auch tatsächlich vor Ort geholfen wird.
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Also funktioniert das immer innerhalb der Regeln?
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Gibt es da mal Schwierigkeiten?
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Und wo können sich denn Leute hinwenden, wenn sie das Gefühl haben, eigentlich werde ich nicht so unterstützt in meinem Verein oder in meinem Verband, wie ich das für mich
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bräuchte?
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Also grundsätzlich, deine Eingangsfrage darauf einzugehen, Umsetzung der Regel.
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Ich glaube, das Regelwerk des deutschen Fußballs ist sehr, sehr groß.
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Ich glaube, neue Regeln haben es immer schwer, wenn sie auch kleinere Gruppen betreffen oder nicht für alle relevant sind, haben die es glaube ich, schwer, da durchzudringen bei
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...
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Ich glaube im Moment sind es 24.000 Fußballvereine in Deutschland.
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Dass das ankommt ist ein harter Brocken und das passiert nicht von heute auf morgen.
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Da muss natürlich sehr viel Kommunikationsarbeit geleistet werden, sehr viel Aufklärungsarbeit.
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Und in dem Thema, gerade was das tin* Spielrecht angeht, um jetzt wieder auf das Thematische, die thematische Regel zurückzukommen, muss natürlich auch sehr viel
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Sensibilisierungsarbeit geleistet werden und Bildungsarbeit, weil viele Menschen...
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Und es ist nicht nur im Fußball, sondern grundsätzliches Thema, sich mit dem Thema geschlechtliche Vielfalt nicht gut auskennen, sich vielleicht auch nicht damit befassen,
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nicht befassen wollen vielleicht auch.
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Und dadurch entstehen natürlich auch bei manchen Leuten Fragen, bei manchen Leuten gibt es Vorurteile.
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Das kann bis zur Diskriminierung, Ausgrenzung, wie auch immer.
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Das Spektrum ist groß.
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Und...
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Ja, das ist halt eine große Herausforderung, weil die Regel zu erarbeiten war eine Herausforderung, die durch die Gremien zu bringen und dann festzuschreiben.
0:14:06–0:14:15
Das war eine große Erwartung Arbeit, aber die eigentliche Arbeit ging eigentlich danach los und geht auch weiter und wird auch so schnell nicht weggehen.
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Wir arbeiten mit den Landesverbänden dazu sehr intensiv, also zum einen mit den Vertrauenspersonen, die ich vorhin schon mal erwähnt habe.
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Die sind in manchen Verbänden ehrenamtlich
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engagiert und in manchen macht es auch eine Person aus dem Hauptamt.
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Also wir sind mit denen in Kontakt, haben regelmäßig auch eine Präsenzschulung mindestens einmal im Jahr und auch mindestens dreimal im Jahr online Schulungen oder nicht
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Schulungen, aber online so eine Sprechstunde, wo sich die Landesverbände, sei es die Vertrauenspersonen oder halt auch hauptamtliche Mitarbeitende, zum Beispiel aus
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Passstellen oder so, einwählen können und wo wir Fragen beantworten, wo wir unterstützen sozusagen, wenn es konkrete
0:14:56–0:14:58
Unsicherheiten gibt.
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Und dann natürlich muss es halt weiter runtergehen, so wie du das auch gesagt hast, wie kommt das in die Vereine an?
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Das ist dann halt auch Kommunikationsarbeit, was auch in den Landesverbänden geleistet werden muss.
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Da gibt es ganz unterschiedliche Ansätze.
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Viele Landesverbände machen Veranstaltungen dazu oder halt auch jetzt, das...
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Also Jan und ich, wir haben uns zum Beispiel kennengelernt auf einer Veranstaltung
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bei der Regionalliga West war das, gab es eine Infoveranstaltung zu dem Thema.
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Aber auch so Projekte wie Ready.
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Set.
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Coach.
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tragen natürlich dazu bei, dass dieses Thema präsenter wird, dass es Aufklärungsarbeit dazu gibt, dass Menschen sich damit auseinandersetzen.
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jetzt gerade angesprochen mit der Kommunikation und mit der Bildungsarbeit.
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Ist das schwieriger geworden in den letzten ein, zwei Jahren, wo man ja schon auch, also du hast ja richtigerweise gesagt, das ist nicht nur ein Thema des Fußballs, das ist ein
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gesamtgesellschaftliches Thema und auch, dass es eben Leute gibt, die vielleicht einen Mangel an Bereitschaft haben, sich damit zu beschäftigen.
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Ist die Kommunikation und die Bildungsarbeit anspruchsvoller geworden?
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Ich glaube, in dem Thema war sie auch vorher schon anspruchsvoll.
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Ich glaube, war so bisschen Konsens, dass die schöne Seite die Regenbogenfahnen und die CSDs waren, da waren alle mit dabei, aber das Thema sich damit auseinanderzusetzen und was
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bedeutet es, eine Transition zu gehen und welche Schritte muss man da gehen oder muss man auch nicht gehen.
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Und also diese Feinheiten, die man aber wissen, die man verstehen muss,
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auch so diese Regel zu verstehen.
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Ich glaube, da hatten auch vorher schon sehr viele Personen nicht unbedingt Lust, sich damit zu beschäftigen.
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Und das ist halt so bisschen die Herausforderung.
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Es gibt Menschen, die kann man glaube ich nicht erreichen im Fußball, aber auch sonst in der Gesellschaft, die möchten sich mit diesem Thema gar nicht beschäftigen oder sind dem
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eher feindselig gegenübergestellt.
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Ich glaube, die,
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die können wir auch nicht erreichen mit toller Kommunikation.
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Es geht, glaube ich, um die Personen, Unsicherheiten haben, die sich wundern, wer spielt denn da mit, aber ganz unvoreingenommen sind, sondern einfach diese Frage haben, dass wir
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die aufklären und sagen, dass das hat alles seine Richtigkeit, die Person hat eine Spielberechtigung, das ist alles völlig in Ordnung.
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Und die zu erreichen und da ein Verständnis zu...
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herzustellen, ich glaube, das ist so den Anspruch, wir daran haben sollten.
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Das hat sich nicht verändert, diese Herausforderung.
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Trotz der politischen und weltpolitischen Situation und wie sich das alles so entwickelt, hat sich, glaube ich, nicht verändert.
0:17:43–0:17:47
Was habt ihr als DFB damit bisher so für Erfahrungen gemacht?
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Also wenn es dann so um Rückmeldungen geht, vielleicht von den Landesverbänden oder auch Vereinen, kannst du dazu vielleicht was sagen?
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Rückmeldung zu.
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Kannst das noch bisschen präzisieren?
0:17:59–0:18:13
zu der Kommunikation oder wie das dann eben tatsächlich so ist, wenn diese Regelung in die breite Masse und auf die Ebene des Fußballs getragen werden soll.
0:18:13–0:18:16
Also wie gut wird das angenommen?
0:18:16–0:18:20
Gibt es vielleicht teilweise auch Problematiken, die dann bei euch landen?
0:18:21–0:18:31
Also tatsächlich bei unserer letzten Präsenzveranstaltung, die war im November, war ein ganz großes Thema Kommunikation und auch Unterstützung, die wir den Landesverbänden in dem
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Bereich geben können.
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Also da kam schon der Bedarf sehr klar raus, dass sie sich wünschen, also da noch auch zum Beispiel Argumentationshilfen wünschen.
0:18:41–0:18:45
Wie gehe ich mit Menschen um, die Fragen haben, was für Fragen kommen auf.
0:18:45–0:18:49
Und da haben wir ein FAQ zusammengestellt mit den
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großen Themenblöcken und es den Landesverbänden zur Verfügung stellt.
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Manche Landesverbände fragen halt zum Beispiel bei uns auch an, ob wir mal zu einer Veranstaltung kommen können, wie die Veranstaltung, wie ich vorhin erwähnt hatte.
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Da versuchen wir halt tatsächlich zu gucken, welche Angebote wir machen können, welche gebraucht werden, dann auch individuell darauf einzugehen.
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Was auch noch ein Punkt zu Mara von, du hattest ja gesagt, wenn es Probleme gibt, was, wie
0:19:19–0:19:21
geht man dann damit um.
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Ganz wichtig zu wissen ist auch, dass die Vertrauensperson auch mit den Anlaufstellen für Gewalt- Diskriminierungsvorfälle in den Landesverbänden zusammenarbeiten.
0:19:30–0:19:32
Die gibt es ja auch in jedem Landesverband.
0:19:32–0:19:37
Und natürlich ist das eine Sache, die da Hand in Hand gehen soll.
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Das ist natürlich unumgänglich.
0:19:39–0:19:41
Ja, total wichtig.
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Jan, bevor wir auch bei dir gleich mal noch auf das Thema Vertrauenspersonen eingehen, das kann man nämlich quasi von zwei Seiten, würde ich mal gerne eine Brücke schlagen zum
0:19:52–0:19:54
Festival.
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Wir haben ja schon gesagt, Ready. Set. Coach
0:19:55–0:20:04
ist eben ein spezielles Programm, das FLINTA* Coaches ausbildet.
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Du hast jetzt schon gesagt, du hast in deiner eigenen Geschichte im Sport einen totalen Rückhalt in deinem Team gehabt.
0:20:14–0:20:16
Was würdest du denn irgendwie sagen?
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Das ist natürlich eine theoretische Frage, aber glaubst du, dass, wenn aus dem Bereich noch mehr Menschen ins Coaching gehen, die einfach auch ein Grundverständnis für solche
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Prozesse und Themen haben, glaubst du, dass es das ...
0:20:28–0:20:36
Insgesamt für Spieler*innen, einen ähnlichen Weg gehen, wie du noch mal leichter macht, hättest du, würdest du sagen, das wäre was, was dir vielleicht geholfen hätte?
0:20:38–0:20:44
Ja, ich sag mal so, es wird immer vorurteilig alles gesehen oder auch, der ist männlich, der kann jetzt das und das mehr.
0:20:44–0:20:49
Das ist ja das Hauptding, muss man ehrlicherweise sagen.
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Find ich recht schade.
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Ich sag immer, Können, fußballerisch kommt nicht durchs Testosteron.
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Das ist ja das Hauptding leider.
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Wenn man sich damit einfach ein bisschen mehr befasst, finde ich schon, dass es auf jeden Fall einfacher sein kann.
0:21:01–0:21:10
Wenn man dadurch auch noch mehr versteht wenn ich Fußball spielen kann, brauche ich kein Testosteron, dass ich besser Fußball spielen kann das hat damit nichts zu tun, was sehr
0:21:10–0:21:12
viele leider auf eine Schiene stellen.
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Ob ich jetzt körperlich eine Kante bin als Beispiel oder ob ich ein Lauch bin, ich kann...
0:21:19–0:21:30
ist egal ob ich Testosteron nehme oder nicht, es ist einfach eine Körperproportion, sag ich mal, die mir einen Vorteil verschaffen kann oder auch nicht, da stimme ich zu aber da
0:21:30–0:21:31
ist nicht...
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primär Testosteron für verantwortlich.
0:21:33–0:21:42
Und wenn das, sag ich mal, neutraler gesehen wird oder sich mehr mit befasst wird, finde ich schon, dass es sehr vielen viel einfacher gemacht wird und dann vielleicht auch am
0:21:42–0:21:48
Spielfeldrand ein bisschen mehr Verständnis kommt oder auch weniger Kommentare.
0:21:49–0:21:51
Du bist ja auch einfach ziemlich groß, oder?
0:21:51–0:22:01
Also ich meine, ich habe jetzt nur Bilder von dir gesehen und du bist ja jetzt nicht durch die Transition gewachsen, sondern die Größe hattest du ja einfach auch vorher schon.
0:22:01–0:22:05
Was ja auch ganz gut zu deiner Position passt.
0:22:05–0:22:14
Was mich mal noch interessieren würde, du hast ja für dich die Entscheidung getroffen, sehr offen mit dem Thema umzugehen.
0:22:14–0:22:20
Was man natürlich überhaupt nicht muss und was eine total private Entscheidung ist.
0:22:20–0:22:22
Aber was ist denn da bei dir der Hintergrund?
0:22:22–0:22:24
Was hat dir das vielleicht auch leicht gemacht?
0:22:24–0:22:30
Warum hast du beschlossen, eben auch offen über das Thema zu sprechen und den Weg nicht nur für dich zu gehen?
0:22:32–0:22:42
Man kennt leider, sag ich mal, die Leute, die schwer mit depressiven Phasen zu tun haben oder auch sehr fertig gemacht werden.
0:22:42–0:22:44
Und das finde ich richtig schade.
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Ich muss auch sagen, jetzt Thema Fußball, wenn mich jemand beleidigt, wenn mir jemand Kommentare gibt, ich gehe dran vorbei.
0:22:50–0:22:52
Ich nehme einen rein, einen auch raus.
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Und das kann leider nicht jeder.
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Finde ich auch schade, dass Leute lernen müssen, damit umzugehen, weil jeder...
0:22:58–0:23:08
Mensch ist ein Mensch, egal wie welcher Hintergrund, egal welche Sportart ich mache, egal in welcher Mannschaft ich spiele, sollte gleich behandelt werden und mir ist wichtig, dass
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die Leute sich wohlfühlen, dass sie weiter ihre Sportart machen können, nicht die Leidenschaft direkt aufgeben müssen und so war es für mich wichtig, den anderen zu helfen,
0:23:17–0:23:25
durch die Regel, sag ich mal, populärer zu machen, dass es die gibt, ihr dürft weiter spielen, ihr müsst nicht direkt aufhören, dass sie nicht an dem Punkt standen, wo ich
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stande und so
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es den einfacher machen kann, durch Mundpropaganda oder auch durch sehen, wie auch immer, wissen, es gibt die und die Regel, es gibt den und den Standpunkt, macht weiter, gebt
0:23:39–0:23:46
nicht direkt auf und nutzt euer Team als Rückhalt, wenn ihr das Team, sag ich mal, die ganze Zeit schon hattet.
0:23:46–0:23:55
Passiert dir das denn bei Spielen, dass Leute auch einfach, Claudia hat es ja vorhin gesagt, es gibt auch so einen Mangel an Informationen, die Leute verstehen Sachen dann
0:23:55–0:23:59
vielleicht nicht, sind auch erst mal auf eine Art vielleicht neugierig.
0:23:59–0:24:07
Passiert es auch, dass Leute mit einer positiven Intention, aber eben mit so einer Neugierde auf dich zukommen bei einem Spiel und du dann damit umgehen kannst?
0:24:07–0:24:11
Oder ist es dann eher so, wenn jemand was sagt, dass es dann ein blöder Spruch ist?
0:24:13–0:24:16
Direkt, face to face jetzt eher nicht.
0:24:16–0:24:26
Also es war eher viel über Instagram, dass ich mal von Schiedsrichtern angeschrieben wurde, nach dem Turnier und gefragt wurde, wie soll ich das am besten handhaben, wie ist
0:24:26–0:24:30
die Regel, da war das dann auch noch nicht so populär, muss ich sagen.
0:24:31–0:24:39
halt auch von Mitbetroffenen, sag ich mal, auch aus der Community, die mich angeschrieben haben und gefragt haben, wie ist das jetzt, ne?
0:24:40–0:24:45
Das eher ja, so ich sag mal so ich gehe normal damit um.
0:24:45–0:24:50
Jeder geht damit anders um, für mich ist es halt das Normalste, ich fühle mich nicht anders.
0:24:50–0:25:00
Ja, ich bin in einer Frauen-Mannschaft, okay, aber ich gehe auf den Platz wie sonst auch also deswegen ...
0:25:00–0:25:03
ein Schiedsrichter spricht mal öfter mit mir vielleicht
0:25:05–0:25:09
Aber ich sag mal, so auf dem Platz selber ist die Negativität eh nicht so hoch.
0:25:09–0:25:12
Also es ist eher abseits, muss man sagen.
0:25:12–0:25:13
Ja.
0:25:13–0:25:18
Also da kann ich nicht viel zu sagen von auf mich zukommen danach, das nicht.
0:25:18–0:25:25
Viele sagen zwar, die finden gut, dass ich es weiter durchziehe, dass ich nicht aufgehört habe oder dass ich mich von Kommentaren runterziehen lassen habe.
0:25:25–0:25:27
Aber die kommen ja selber an mich gar nicht ran.
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Das ist ja alles eher...
0:25:29–0:25:35
Wenn dann mal die Freundin am Spielfeldrand steht oder die Trainerin an der Seitenlinie, die können mir das alles...
0:25:35–0:25:39
sagen, was so gesagt wird, aber ins Gesicht traut sich kaum einer.
0:25:40–0:25:40
Hm.
0:25:41–0:25:55
Und wenn jetzt andere Personen in deiner Situation auf dich zukommen oder auf dich zukommen würden, was wäre dann so das, was dir wichtig wäre, ihnen zu sagen über das
0:25:55–0:25:56
alles, also über deine Erfahrung?
0:25:57–0:25:59
Ich komm immer darauf an, worauf die mich ansprechen.
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Ich sehe recht, wenn wir uns unterhalten, der Community ist es eigentlich immer recht konkret, muss ich sagen, weil man weiß immer genauso, wo möchte ich jetzt was wissen,
0:26:07–0:26:08
welche Frage habe ich.
0:26:08–0:26:19
Und da tauscht man sich halt aus, Sei es jetzt auf Operationen, sei es auf Orte, wo es operiert wird, sei es auf Fußball bezogen, sei es auf Mannschaften bezogen.
0:26:19–0:26:25
Man hat ja auch manchmal die Erfahrung von dem gehört oder die von dem, die tauscht man dann schon untereinander aus.
0:26:25–0:26:26
Ja, ich finde, dass...
0:26:26–0:26:29
Das ist recht schön in der Community, es ist immer ein Geben und Nehmen.
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Der eine kennt den, der andere kennt den.
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Man hat immer einen Erfahrungsaustausch.
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Das ist eigentlich ganz schön.
0:26:34–0:26:37
Und dann das, was man halt als Erfahrung hat, teilt man dann mit.
0:26:37–0:26:40
Da würde ich gerne bei dir nochmal anschließen, Claudia.
0:26:40–0:26:47
Ich weiß, ich habe jetzt das Thema Vertrauensperson erst nochmal hinten angestellt, aber um mal in dem Themenfluss quasi drin zu bleiben.
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Also Vernetzung ist das was, worüber ihr vielleicht hinter den Kulissen auch mal sprecht.
0:26:53–0:27:04
Also die Möglichkeit, wie man die Personen, die eben innerhalb des DFB sich in diesen Prozessen befinden, auch von Verbandsseite noch besser vernetzen kann, weil diejenigen
0:27:04–0:27:07
die ja genau wissen, wo sind die Leute und wer ist das?
0:27:07–0:27:10
Das sind ja letztlich die Vereine und der Verband.
0:27:10–0:27:15
Gibt es da einen Gedanken zu oder ist das eher, seht ihr das eher nicht als eure Aufgabe?
0:27:16–0:27:25
Ja, also tatsächlich als unsere Aufgabe sehen wir natürlich die Landesverbände zu befähigen, diese Regel umzusetzen und sie zwar so umzusetzen, dass sie im besten Sinne der
0:27:25–0:27:28
Spieler*innen dann auch umgesetzt wird.
0:27:28–0:27:34
Und da sind natürlich die Vertrauenspersonen unsere erste Ansprechperson.
0:27:34–0:27:45
Weil diese Rolle gab es ja vorher nicht und die haben wir sozusagen damit erst kreiert und natürlich auch eine Stellenbeschreibung sozusagen kreiert da sehen wir unsere
0:27:45–0:27:53
Hauptaufgabe, diese Personen, also erstmal die Landesverbände zu unterstützen, eine geeignete Person zu finden, die qualifiziert ist, weil das ist auch für manche
0:27:53–0:27:56
Landesverbände eine große Herausforderung, weil sie eben diese Vernetzung
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zu NGOs oder zu anderen Organisationen, die die queere Community unterstützen sozusagen nicht haben.
0:28:04–0:28:13
Manche sind da sehr gut vernetzt und haben da Kontakte und haben auch da fantastische Vertrauenspersonen sozusagen schon benennen können.
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Und neben der Rekrutierung in dem Sinne ist natürlich auch die Ausbildung und die Vernetzung der Vertrauenspersonen untereinander wichtig.
0:28:24–0:28:25
Um dann halt auch zum Beispiel
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Ja, so kollegiale Fallberatung zu machen.
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Weil die die Situationen sind ja höchst individuell, aber deswegen kann man ja trotzdem voneinander lernen und vielleicht auch in diesen föderalen Strukturen sich unterstützen,
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weil das ja auch immer eine große Herausforderung ist.
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Wir haben 21 Landesverbände und eigentlich sollte es überall gleich laufen.
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Aber natürlich ist das nicht so.
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Und aber manchmal gibt es ja doch Überschneidungen.
0:28:54–0:29:02
Und dann können sie sich sehr gut auch gegenseitig unterstützen, wie sie auf ihre Passstellen zugehen oder wie da der Prozess abläuft oder welche Funktionsgruppe sie
0:29:02–0:29:05
vielleicht noch mit involvieren.
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Das ist dann so die Vernetzung, die wir herstellen.
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Du hast jetzt gerade vom Stellenprofil gesprochen.
0:29:12–0:29:21
Wenn du es in ein paar Worten oder Sätzen zusammenfassen solltest, was würdest du denn sagen, was muss eine Person mitbringen, Vertrauensperson werden zu können?
0:29:22–0:29:26
Also in erster Linie muss sie natürlich regelkundig sein.
0:29:26–0:29:36
sie sollte auch ein Verständnis haben für die Strukturen in dem Landesverband, wo sie dann tätig ist, weil das halt auch nicht immer Unterschied, also nicht immer gleich ist.
0:29:36–0:29:46
Und natürlich sollte sie, also idealerweise kommt sie selbst aus der queeren Community im Bereich geschlechtliche Vielfalt.
0:29:46–0:29:48
Das ist aber was natürlich, das können und wollen wir nicht vorschreiben.
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Das ist sozusagen ein Nice to have.
0:29:51–0:29:57
dass die Person persönliche Bezüge, entweder ganz persönlich oder zumindest im engen Umkreis hat.
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Damit halt auch die Sensibilität dafür da ist.
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Und gleichzeitig muss die Person auch, ja, im Thema Gesprächsführung zum Beispiel geschult sein.
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Datenschutz, wie geht, das sind hochsensible Daten?
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Und wie führe ich auch so ein Gespräch?
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Zum einen, wenn eine Person auf mich zukommt mit ...
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indem sie anzeigt, ich gehe in eine Transition, ich möchte vielleicht noch in meinem Team spielen oder ich möchte auch das Team wechseln oder auch vielleicht auch mal in ein
0:30:28–0:30:35
kritisches Gespräch gehen, wenn man das Gefühl hat oder wenn man mal nachfragen möchte, ja, wann möchtest du denn wechseln, wie sieht es denn aus, wann ist die Transition
0:30:35–0:30:40
abgeschlossen und solche Themen sind da extrem wichtig.
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Jetzt haben wir ganz zufällig jemanden hier in der Runde, auf den das alles zutrifft.
0:30:47–0:30:53
Und wie es der Zufall so will, Jan, wirst du ja auch demnächst tatsächlich Vertrauensperson, ne?
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Wie ist denn der Entschluss gereift bei dir?
0:30:57–0:31:04
Ja, durch den Austausch mit der Regel, darf ich spielen, darf ich nicht spielen, war ich durchgängig in Kontakt mit der Person.
0:31:04–0:31:13
Und dann war immer mal wieder so die Rede davon, ne, was für Regeln gibt es, bis wohin, bis wann war das, bis dann der Tag kam, wo wir bei der Staffelleitung da alle
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zusammensaßen und dann von der Claudia, sag ich mal, nochmal die Spielordnung durchgegangen sind.
0:31:18–0:31:24
Und dann war halt die Frage, da war auch das Thema mit Vertrauensperson, alles drum und dran.
0:31:24–0:31:26
Und dann wurde ich halt gefragt, ob ich mir das vorstellen kann, und dann dachte ich mir so,
0:31:26–0:31:27
Warum nicht?
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Ich habe jetzt schon ein paar Leuten geholfen über Instagram und man tauscht sich immer wieder mit Leuten aus, der kennt den, der kennt den.
0:31:36–0:31:42
Und dann dachte ich mir so, mein Ziel ist nicht mit Fußball irgendwie generell aus der Branche rauszugehen.
0:31:43–0:31:52
Dann bleibe ich den Teil so weiter erhalten, kann Leuten helfen und hoffe, dass die dann, sage ich mal, eine ähnliche Situation wie ich haben und einfach eine Unterstützung vom
0:31:52–0:31:55
Team bekommen und dasselbe Glück haben.
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Den Rückhalt bekommen und dass sich das Team einfach mit der Person freut, dass es endlich auf das Finale hingefiebert wird, sag ich mal, dass man dann so weit gehen kann mit den
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Operationen wie man möchte und nicht allein da ist.
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Dann vielleicht mal als offene Frage an euch beide.
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Ich meine, wir wissen ja alle gesellschaftlich, wie wichtig Sport überhaupt ist.
0:32:19–0:32:27
Also für eine physische Gesundheit, für eine psychische Gesundheit, was eben Sport für eine Rolle spielt.
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Wie seht ihr denn da auch jeweils eine Verantwortung, also sowohl von Verbandsseite als aber auch eben in einem Team, die Menschen, also
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Ich bleib immer so bisschen an diesem Punkt hängen, mit dem die Leute wissen jetzt, das ist in der Theorie möglich, aber sie müssen es sich ja in der Praxis auch trauen.
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Und so was wie die Vertrauenspersonen und so was wie Menschen wie du, Jan, die als Beispiel vorangehen, an denen man sich orientieren kann, das ist bestimmt total wichtig
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und das sind ganz, große Schritte.
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Gleichzeitig, wie kann man denn in der Breite die Leute noch mehr
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erreichen, befähigen, ermutigen und ihnen irgendwie klarmachen, ihr gehört hier weiter dazu, wir sind irgendwie für euch da.
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Ich sag, man geht halt als...
0:33:21–0:33:23
Also ich könnte jetzt als Beispiel vorangehen, ne?
0:33:23–0:33:30
Ich steh dazu, ich geh auf jeden Fußballplatz und versteck mich nicht oder versuch es geheim zu halten.
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Und ich sag mal so, umso mehr das Team einen den Rücken stärkt, umso einfacher fällt es vielleicht auch der Person.
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Da muss man einfach sagen, man muss ein gutes Team haben.
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Ich muss sagen, in dem Verein, ich jetzt bei Westfalia Dortmund hab, ich noch nie was Negatives, sowohl von Männern auch nicht gehört.
0:33:46–0:33:51
Ich habe auch schon mal ein, zwei Spiele, mal ein Testspiel bei den Männern mitgespielt.
0:33:51–0:33:53
Gar kein Problem gewesen.
0:33:53–0:33:56
Ich hatte auch schon vorher wo ich gesagt hätte, niemals fange ich bei den Männern an.
0:33:56–0:33:59
Also da muss man wirklich sagen, wie das Umfeld ist.
0:33:59–0:34:10
Man muss sich wohlfühlen, man muss die Unterstützung haben und ich finde, umso mehr damit gearbeitet wird, dass wir uns wohlfühlen, umso einfacher wird es auch später, umso mehr
0:34:10–0:34:11
trauen sichs auch.
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Weil leider muss man ja sagen, ist oft das Problem, dass viel Neid entsteht oder
0:34:16–0:34:18
viele sagen, das wär unfair.
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Wenn man sich aber die Tatsachen vor Augen hält, find ich, widerspricht sich das ein bisschen.
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Und umso wohler wir uns fühlen, umso mehr uns der Freiraum gegeben wird vom Verein aus, umso einfacher und umso mehr.
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Was heißt mehr, aber umso länger wird der Weg für die Person freigehalten.
0:34:37–0:34:47
Ja, also aus Dachverbandssicht ist es natürlich immer so ein bisschen schwieriger, wenn du direkt nach den Vereinen an der Basis fragst, weil das klingt dann manchmal ein bisschen
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wie eine Ausrede, aber unsere Mitglieder sind die Landesverbände.
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Das heißt, wir kommen da nicht direkt ran.
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Natürlich müssen wir die richtigen Botschaften senden.
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Wohl wissentlich, dass manchmal, wenn man Botschaften sendet, einem das dann auch oft als
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"Rainbow Washing" oder wie auch immer Washing, in welche Richtung die Botschaften gehen, ausgelegt wird.
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Deswegen ist das sehr schwierig, weil natürlich muss man alles mit Maßnahmen hinterlegen und die kommunizieren, aber das muss ich halt gut die Waage halten.
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Wenn ich die Strukturen und Maßnahmen nicht habe, dann ist es auch mit der Kommunikation schwer.
0:35:26–0:35:32
Deswegen ist es, mein Blickwinkel ist, wir müssen dafür sorgen, dass
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es die Regel zum einen gibt, dass wir die Rahmenbedingungen schaffen, dass wir dafür sorgen, dass die Landesverbände gut ausgestattet sind, das umzusetzen und sie auch dabei
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unterstützen, das zu kommunizieren.
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Und natürlich, dass wir es auch selber kommunizieren.
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Also ich meine, ein Punkt, ich bin heute hier und spreche mit euch eine Stunde über das Thema, ist ja ein Teil der Kommunikation.
0:35:52–0:35:58
Alle Menschen, die es hören oder beim Festival sehen, können das ja weitertragen.
0:35:59–0:36:02
Aber das muss sich so ein bisschen die Waage halten, weil wenn man
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die ganze Zeit halt nur sendet, kommt natürlich auch zurecht die Frage, ja, und was macht ihr denn eigentlich?
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Einfach nur raushauen, schlägt dann eher ins Gegenteil um.
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Deswegen finde ich es umso besser, dass wir halt auch so mittlerweile Role Models haben, ob das Jan ist oder auch in anderen Landesverbänden gibt es da auch tolle Vorbilder, dass
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wir intensiver auch mit den Personen arbeiten und ihnen auch eine Stimme geben, sie zur Veranstaltungen einladen, da ihnen zuhören, Bedarfe einsammeln.
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Und sozusagen mit der Community zusammenarbeiten und uns daran orientieren, dass wir das auch so schaffen, die Strukturen, wie es den Menschen hilft.
0:36:47–0:36:52
Das mit den Role Models wäre tatsächlich auch meine Anschlussfrage gewesen.
0:36:52–0:37:03
Für mich wäre das so als Außenstehende der No-Brainer eigentlich, dass man das noch viel stärker zeigen müsste, oder, dass man keine Ahnung, "Unsere erste Elf", "die ersten elf
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erfolgreichen Fälle" oder keine Ahnung.
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Weißt du, wie ich meine?
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Dass man tatsächlich auch die Sichtbarkeit noch mal erhöht.
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Weil mein Eindruck ist immer, du hast das jetzt auch gesagt, Jan, die Leute sagen dann, "das ist total unfair, das ist irgendwie komisch."
0:37:17–0:37:25
Die Personen, die selber in diesem Prozess sind, die tragen ja überhaupt keine Verantwortung, finde ich, sich oder der Gesellschaft irgendwas zu erklären.
0:37:25–0:37:36
Aber man möchte ja von allen, die drumrum sind und dann eben vielleicht auch aus Verbandssicht eben die Dinge einfacher machen, indem man Sachen erklärt, zugänglicher
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macht und dieses "Gefühl", was ...
0:37:39–0:37:42
Viele Leute haben ja einfach nur "komisches Gefühl", die wissen gar nicht, wo das herkommt.
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Und oft kommt es ja genau daher, dass sie überhaupt keinen Kontakt mit Menschen haben, die diese Prozesse durchlaufen haben.
0:37:48–0:37:56
Das heißt also, Role Models und tatsächlich Menschen, echte Menschen, irgendwelche Cases oder Theorien oder weiß ich nicht, was nach vorne zu bringen und zu sagen, hier guck mal,
0:37:56–0:37:58
ist alles in Ordnung, regt euch ab.
0:37:58–0:38:00
Das ist wahrscheinlich das Beste, was man machen kann, oder?
0:38:01–0:38:07
Ja, man muss halt mit was mit zu tun haben, finde ich schon, weil von außen kann man immer viel erzählen.
0:38:07–0:38:10
Das ist leider einfach so.
0:38:10–0:38:17
Ich sage mal so, wenn sich manche Leute vielleicht auch mehr hineinversetzen würden oder mal drüber nachdenken würden, was das vielleicht mit Betroffenen auch machen könnte,
0:38:17–0:38:20
würden viele vielleicht auch gar nicht so reagieren, wie sie reagieren.
0:38:20–0:38:23
Man sieht einfach erst mal primär, "boah, wie unfair".
0:38:23–0:38:27
Jetzt haben wir ja auch die Situation, dass Frauen generell bei Männer mitspielen dürfen.
0:38:27–0:38:35
Andersrum darf es nicht und dann sagen viele auch "warum nicht?" Da muss man aber auch einfach mal die Bedingungen bisschen überdenken.
0:38:35–0:38:38
Würden jetzt auf einmal Männer auch bei Frauen mitspielen.
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Jetzt können wir so und so reden.
0:38:40–0:38:43
Aber es ist halt trotzdem ein Unterschied.
0:38:43–0:38:49
Von der Schnelligkeit her, da kann keine Frau mithalten oder sehr wenige sagen wir mal so.
0:38:49–0:38:55
Deswegen finde ich immer, man sollte immer die Rahmenbedingungen generell sehen und nicht immer nur das Strikte und immer nur dieses eine Muster.
0:38:55–0:39:06
Jetzt hast du ja vorhin gesagt, dass zum Glück von den negativen Reaktionen bei dir persönlich gar nicht so viel ankommt und dass du in deinem Team ja sehr, sicher bist.
0:39:06–0:39:14
Aber Sichtbarkeit bringt dann manchmal ja eben auch diese negativen Reaktionen mit sich.
0:39:14–0:39:19
Hast du das Gefühl, dass es genügend Schutzstrukturen gibt,
0:39:20–0:39:29
um solche Reaktionen dann eben auch abzufangen oder ist das auch was, wo sich dann z.B. eine Vertrauensperson, um darauf nochmal zu kommen, dann auch mit drum kümmern
0:39:29–0:39:39
würde, darüber zu sprechen und zu schauen, wie man innerhalb eines Vereins dann vielleicht auch mit solchen Reaktionen umgehen kann, falls es sie gibt?
0:39:41–0:39:46
Ich sag mal so, wenn eine Person wirklich so betroffen ist, dass man darüber nachdenken muss, finde ich schon sehr traurig.
0:39:46–0:39:50
Ich finde es gut, wenn sie sich mir traut, gegenüber zu öffnen.
0:39:50–0:39:55
Da würden wir auf jeden Fall darüber nachdenken, was können wir tun, was sollte der Verein tun, um die Person zu schützen.
0:39:55–0:39:58
Ich persönlich kann jetzt sagen, bei uns ist es kein Problem.
0:39:58–0:40:06
Aber natürlich wäre das auf jeden Fall eine Sache, wo wir direkt handeln würden und helfen würden, weil ich finde, sowas kann einfach nicht stehen bleiben.
0:40:06–0:40:10
Und wichtig ist aber, dass die Personen sich einfach trauen, uns gegenüber zu öffnen.
0:40:10–0:40:14
Und wirklich sagen, es ist Fakt, es ist so oder auch sagen, sie haben Angst.
0:40:14–0:40:18
Das ist ja der wichtigste Punkt, dass sie sich trauen, uns zu sagen, ich habe Angst.
0:40:18–0:40:21
Da muss keiner sich für schämen.
0:40:21–0:40:27
Wenn er in dem Moment Angst hat, dann hat er Angst und dann müssen wir handeln und dann werden wir auch reagieren und das Beste daraus tun, sodass die Person sich sicher fühlt,
0:40:27–0:40:33
weiterhin zum Sportplatz gehen kann, egal wohin, dass da keine Probleme sind.
0:40:34–0:40:42
Ist das was, wo du im Umgang mit Menschen, die einen ähnlichen Weg gehen, wie du, vielleicht...
0:40:42–0:40:46
Du strahlst so eine totale Zuversicht und Ruhe mit dem Thema aus.
0:40:46–0:40:49
Und ich find das total cool.
0:40:49–0:40:51
Also, es ist sehr, schön, das so zu erleben.
0:40:51–0:40:53
Und ich kann mir aber vorstellen ...
0:40:53–0:41:02
Erstens, dass das sicherlich nicht an jedem Tag so ist und zweitens, dass eben jede Person da ja natürlich andere Prozesse durchläuft und dass es für manche Personen vielleicht auch
0:41:02–0:41:10
schwieriger ist, weil sie vielleicht kein gutes Umfeld haben, was sie generell auch außerhalb vom Sport nicht unterstützt in dem Weg, weil sie vielleicht nicht so ein gutes
0:41:10–0:41:12
Team haben.
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Ist das so was, was du als Teil deiner Aufgabe dann auch als Vertrauensperson irgendwie siehst?
0:41:16–0:41:18
So ein bisschen was von diesem
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unerschütterlichen Mut, den du ausstrahlst, auch abzugeben quasi an die Leute, die zu dir kommen oder ihnen das wie so beizubringen?
0:41:26–0:41:27
Ja, auf jeden Fall.
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Also man muss sagen, von Schritt zu Schritt wird man einfach sicherer, man nimmt Sachendaraus mit.
0:41:34–0:41:36
Man sieht sein Ziel vor Augen, sag ich mal so.
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Man weiß, ich geh den Weg für mich, ich möchte endlich ankommen.
0:41:41–0:41:49
Man wirkt vielleicht immer glassen, es gibt auch Stellen, wo wir auch mal zweifeln, wo wir am Boden sind, sei es nach einer OP, wenn eine Komplikation auftreten sollte oder
0:41:49–0:41:51
irgendwas nicht so klappt, wie wir wollen.
0:41:51–0:41:55
Früher gab es die Prozesskostenhilfe, die hat einem sehr das Leben erschwert, muss man sagen.
0:41:55–0:41:58
Das wird ja alles mittlerweile besser gemacht.
0:41:58–0:42:03
Und man muss auch sagen, wir werden viel unterstützt in den Krankenhäusern.
0:42:03–0:42:05
Da liegt jeder, der vielleicht mal einen Schritt weiter ist.
0:42:05–0:42:07
Man gibt sich so viel mit.
0:42:07–0:42:10
Und ich möchte halt den Leuten auch zeigen, ihr macht das für euch.
0:42:10–0:42:12
Ihr braucht euch nicht verstecken.
0:42:12–0:42:13
Vielleicht Erfahrungen mitgeben.
0:42:13–0:42:15
Ja, da hatte ich auch einen Niederschlag.
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Aber guck mal, wir haben es so und so weit geschafft.
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Du möchtest dahin kommen.
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Deswegen, ich sag immer so, man wächst mit den...
0:42:23–0:42:26
Man sagt immer mit den Aufgaben, das ist jetzt keine Aufgabe.
0:42:26–0:42:32
Jetzt vielleicht das falsche Wort, aber man wächst an sich selber und man kann mehr zu sich stehen.
0:42:32–0:42:37
Sobald sich körperlich was verändert, kann man mehr sagen, ich bin so und so.
0:42:37–0:42:43
Hätte ich jetzt vielleicht kein Bart und noch eine hohe Stimme, würde ich vielleicht auch noch an das hier stehen oder an das hier sitzen, wie auch immer.
0:42:43–0:42:52
Aber man sieht sein Ziel, man sieht teilweise seine Veränderung, natürlich das Umfeld mehr, aber dieser positive Zuspruch, der stärkt einen enorm und daran...
0:42:52–0:42:54
hält man sehr gut fest.
0:42:56–0:43:05
Claudia, ich würde gerne mal noch eine Verbandsfrage stellen und zwar du kommst ja aus einer NGO, bist du in den den Verband gewechselt.
0:43:05–0:43:14
Mich würde zum einen mal interessieren, was das tatsächlich, also das ist ja schon so bisschen so ein Seitenwechsel aus einem Umfeld, wo man vielleicht auch eher mal auf den
0:43:14–0:43:21
Verband draufschaut und sagt, "bewegt euch", in ein Umfeld, wo man versucht den Verband von innen zu bewegen und...
0:43:21–0:43:25
Die Anschlussfrage stelle ich danach, sonst wird es zu kompliziert.
0:43:25–0:43:29
Also wie war dieser Wechsel für dich?
0:43:30–0:43:34
Also der Wechsel, der liegt ja jetzt schon sechs Jahre zurück.
0:43:34–0:43:37
Ich kann mich aber dennoch dran erinnern.
0:43:37–0:43:41
Tatsächlich, also das war schon ein krasser Wechsel.
0:43:41–0:43:48
Also ich habe in einer NGO in England, in London, beim FARE-Netzwerk gearbeitet, also auch schon im Fußball gegen Diskriminierung.
0:43:48–0:43:52
Das ist nur so, damit man weiß, also die Connection war schon da.
0:43:52–0:43:58
Und wie du sagst, es ging halt immer darum von außen zu sagen, bewegt euch mal, macht mal das und das.
0:43:58–0:44:02
Das läuft schief und da könne man besser.
0:44:02–0:44:05
Es hat zwei Seiten.
0:44:05–0:44:17
Zum einen im Verband, also jetzt in meiner Position, kann man natürlich die Strukturen stärker verändern und adressieren, weil man einfach im System drin ist und man sieht
0:44:17–0:44:22
erstmal die Prozesse, man versteht sie nicht immer, aber man sieht sie.
0:44:23–0:44:26
Und kann dann, hat einen besseren Einblick.
0:44:26–0:44:35
Man hat auch einen besseren Zugang zu den Personen, die man vielleicht adressieren möchte, weil man nicht immer nur so von außen auf eine im Zweifelsfall Kommunikationsabteilung
0:44:35–0:44:46
trifft oder so, sondern natürlich hat man Kontakt zu Trainer*innen, Funktionär*innen und allen, die da so noch dazwischen sind.
0:44:46–0:44:49
Und man hat da sozusagen einen direkteren Zugriff.
0:44:49–0:45:00
Nichtsdestotrotz klingt es jetzt so, als ob ich oder irgendjemand anders in einem Verband Dinge schnell umsetzen, ändern, wie auch immer könnte.
0:45:00–0:45:05
Das ist jetzt wieder bei der anderen Seite der Medaille.
0:45:05–0:45:08
Tatsächlich ist es ja so, das dauert alles immer sehr lange.
0:45:08–0:45:10
Es gibt sehr viele Abstimmungen.
0:45:10–0:45:13
Gremien müssen zustimmen.
0:45:13–0:45:16
Es gibt auch politische...
0:45:16–0:45:28
Überlegungen, Rücksichtsnahmen, die immer irgendwo auch mit einfließen, weil der Verband halt natürlich für Gesamtverbund spricht mit den Mitgliedern, die wir jetzt schon mehrmals
0:45:28–0:45:29
erwähnt haben.
0:45:29–0:45:36
Also es ist ein großes, großes Gebilde, was halt irgendwie so man so lernen muss oder ich lernen musste zu navigieren.
0:45:36–0:45:40
Und das kann natürlich auch ziemlich frustrierend sein, bis man das durchstiegen hat.
0:45:40–0:45:43
Und dann verliert man manchmal auch so ein bisschen.
0:45:43–0:45:46
Dampf auf dem Kessel so ungefähr.
0:45:47–0:45:57
Aber ja, also ich glaube, man hat natürlich, wenn man einen langen Atem hat, eine größere Wirksamkeit im Sinne von ich kann tatsächlich was verändern.
0:45:57–0:46:05
Auf der anderen Seite, wenn man in der NGO arbeitet oder grundsätzlich so zivilgesellschaftliche Organisationen, die nicht in solchen Strukturen fest drin sind und
0:46:05–0:46:11
auch nicht von den Fördergeldern abhängig sind, muss man auch immer überlegen, die können schneller reagieren, können lauter sein, können Druck
0:46:11–0:46:16
erzeugen, die können ihre Meinung rausschreien und es ist ja auch gut so.
0:46:16–0:46:21
Also ich glaube, ohne diesen Druck würde sich auch viel oft nicht bewegen.
0:46:21–0:46:22
Ich glaube, ...
0:46:22–0:46:23
also konstruktiven Druck.
0:46:23–0:46:29
Es geht jetzt nicht darum, einfach nur zu schreien, sondern halt irgendwie auch konstruktive Vorschläge zu machen und auch Probleme zu benennen.
0:46:29–0:46:31
Also es hat Vor- und Nachteile.
0:46:34–0:46:44
kann aus der Erfahrung mit dem DFB sagen, wenn man bei bestimmten Themen Kritik übt, dann lautet die Antwort immer, "Aber immerhin haben wir die Claudia." Auch das ist Teil deiner
0:46:44–0:46:49
Rolle, dass dann alle so sagen, hey, aber immerhin gibt es die Claudia.
0:46:49–0:46:51
Aber mal also noch was.
0:46:51–0:46:53
als dass es mich jetzt irgendwie...
0:46:54–0:47:05
Aber da mal noch anzuschließen, man muss ja fairerweise sagen, also wir kritisieren den DFB, wenn wir es notwendig finden, aber natürlich weisen wir auch auf die Sachen hin, die
0:47:05–0:47:05
gut laufen.
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Zum Beispiel haben sie die Claudia.
0:47:07–0:47:16
Und inhaltlich bei diesem Thema ist der DFB ja so weit, wie vergleichsweise eigentlich überhaupt kein Sportverband.
0:47:16–0:47:23
Bist du da dann auch mal ein bisschen stolz sowohl auf dich als auch deine Mitstreiter*innen und auch den Verband, dass man diesen Schritt
0:47:23–0:47:31
eben gegangen ist, weil du hast jetzt gerade England angesprochen, wo du zuletzt bei den NGO eben warst, bis vor sechs Jahren.
0:47:31–0:47:34
Und die sind ja tatsächlich einen ganz anderen Weg gegangen.
0:47:34–0:47:43
Und auch insgesamt sind die großen Sportverbände auch im Amateur*innenbereich mittlerweile größtenteils in einer ganz anderen Richtung unterwegs.
0:47:43–0:47:44
Ja, das stimmt.
0:47:44–0:47:48
Zum einen, ja, also so ein bisschen Stolz schwingt da mit, dass wir das hinbekommen haben.
0:47:48–0:47:52
Und natürlich, da haben viele mit dran gearbeitet.
0:47:52–0:47:55
Da haben wir gut was umsetzen können.
0:47:55–0:47:57
Das war schon ein großer Schritt.
0:47:57–0:48:00
Und zu dem Zeitpunkt halt auch, also es war auch ein gut gewählter Zeitpunkt.
0:48:00–0:48:01
Wir hatten da Glück.
0:48:01–0:48:06
Ich glaube, danach haben sich dann wirklich die Uhren insgesamt nochmal ein bisschen zurückgedreht.
0:48:06–0:48:10
Jetzt wäre es schwieriger, glaube ich, mit der Gesamtsituation.
0:48:10–0:48:12
Also gesamtpolitisch, globalpolitisch.
0:48:12–0:48:17
Wir sind da schon sehr weit.
0:48:17–0:48:19
Natürlich wird das nicht immer so anerkannt, glaube ich.
0:48:19–0:48:25
Aber in der Fußball- oder auch Sportwelt insgesamt wurde das schon sehr wahrgenommen.
0:48:25–0:48:31
Wir 2022 auch sehr viele Anfragen von anderen Sportfachverbänden.
0:48:31–0:48:37
Sowohl international aus dem Fußball, aber auch national aus anderen Sportarten.
0:48:37–0:48:41
Und sind da auch eng im Austausch mittlerweile mit dem DOSB.
0:48:43–0:48:52
Weil die sich, glaube ich, langfristig, und ich spreche jetzt nicht für den DOSB, aber auch wünschen würden, mehr Regelungen, hoffentlich, also ich denke auch inklusive
0:48:52–0:48:53
Regelungen zu finden.
0:48:53–0:49:01
Von daher freue ich mich, wenn wir was dazu beitragen können, wo wir sagen können, bei uns funktioniert das schon.
0:49:01–0:49:11
Ich glaube im Hockey auch, ich möchte nicht sagen, dass wir die Einzigen sind, aber natürlich haben sehr viele Sportarten, insbesondere Einzelsportarten, komplett
0:49:11–0:49:23
sind auf Ausschluss gesetzt und deswegen finde ich gut, dass wir so einen inklusiven Weg gegangen sind und damit auch vielen Menschen irgendwie die Möglichkeit geben weiter im
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Fußball zu bleiben.
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Annika, hast du noch eine Frage?
0:49:28–0:49:39
Ja, ich hätte eher so eine vielleicht etwas abstrakte Frage, weil wir es jetzt schon mehrfach so angeklungen hatten, dass es eben diese Backlashes gibt und das politische
0:49:39–0:49:48
Klima, dass es so ist, wie es ist, dass queere Personen, speziell trans Personen immer mehr unter Druck geraten.
0:49:48–0:49:57
Und also würde mich einfach mal interessieren, wie ihr das so seht, weil man ja immer sagt, so Fußball ...
0:49:57–0:50:08
kann man irgendwie als Spiegel der Gesellschaft bezeichnen, aber kann der Fußball nicht eigentlich auch durch solche Regelungen dann jetzt zum Beispiel das sein, was vorangeht
0:50:08–0:50:11
und Gesellschaft dann eigentlich auch wieder eher progressiv beeinflusst?
0:50:11–0:50:18
Also wie seht ihr da so das Wechselspiel vielleicht auch für euch persönlich, wenn das jetzt nicht zu kompliziert ist?
0:50:20–0:50:24
Ich fange einfach mal an.
0:50:24–0:50:33
Ich finde das eine sehr schwierige Frage, weil ich habe dazu eine persönliche Meinung und dann habe ich aber hier auch meinen offiziellen Hut auf.
0:50:33–0:50:37
Also ich glaube, das beantwortet die Frage schon sehr.
0:50:37–0:50:46
Und auch was ich vorhin gesagt habe, wie viele Organisations-einheiten, Gremien immer mit einbezogen werden.
0:50:46–0:50:50
Wenn Fußball der Spiegel der Gesellschaft ist, musst du halt auch alle
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Personen, die sich auf dem demokratischen Boden bewegen, würde ich jetzt mal sagen, mit einbeziehen.
0:50:55–0:51:04
Und da gibt es halt auch relativ konservative Kräfte, die dann natürlich auch progressive Initiativen ausbremsen.
0:51:04–0:51:08
Und damit meine ich jetzt nicht die Menschen, die das Grundgesetz schon verlassen haben.
0:51:08–0:51:16
Aber das ganze Spektrum müssen wir halt auch mit bedenken, mit beachten und irgendwie mit einarbeiten.
0:51:16–0:51:19
Mir persönlich geht es natürlich oft zu langsam.
0:51:19–0:51:20
Und ich würde gerne
0:51:20–0:51:23
progressiver sein, aber wie gesagt, ist dann jetzt der andere Hut, mein persönlicher.
0:51:23–0:51:31
Deswegen muss man das glaube ich in dem Zusammenhang da trennen, meine Rolle und meine NGO-Vergangenheit.
0:51:33–0:51:38
Ja, ich finde es auch schwierig zu beantworten.
0:51:38–0:51:43
Durch Fußball, finde ich, haben wir nur eine Popularität.
0:51:43–0:51:50
Wenn wir sehen, was mit Fußball teilweise erreicht wird durch, weiß ich nicht, verschiedenste Themen.
0:51:50–0:51:52
Fußball wird von jedem fast geguckt oder jedem Zweiten.
0:51:52–0:51:56
Ich sage mal, Fußball ist das, was die meisten Menschen gucken.
0:51:56–0:52:03
Muss jetzt nicht unbedingt Bundesliga sein, aber wenn es auch Deutschland ist, sei es da nur Plakate oder ich sage mal das Thema mit der
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der LGBTQ-Kapitänsbinde oder was auch immer, es wird da durch präsent gemacht.
0:52:11–0:52:15
Und wenn die in Form angehen, die sehen es mehr Leute als wenn wir es einfach...
0:52:15–0:52:17
schreiben, sage ich mal als Beispiel.
0:52:17–0:52:23
Deswegen finde ich es in der Hinsicht nicht so schlecht.
0:52:23–0:52:25
Damit mehr Bescheid wissen.
0:52:25–0:52:29
Klar ist es immer schwierig, weil es gucken nicht nur Leute Fußball, die dafür sind.
0:52:29–0:52:32
Es gibt auch genug, die sagen, boah, nee, halte ich gar nichts von.
0:52:32–0:52:43
Kann der Hass auch teilweise mehr gestärkt werden, weil er denkt, ne tolerier ich nicht, boykottier ich wie auch immer, aber für die Popularität find ich's gar nicht schlecht.
0:52:44–0:52:50
Ist ja auch immer so diese Frage, ist Fußball wirklich Spiegel der Gesellschaft oder ist Fußball nicht eher Brennglas?
0:52:50–0:53:00
Weil ja auch, wenn man sich anschaut, wie die Gesellschaft strukturiert ist von Gruppen, die zur Gesellschaft gehören, dann finden die nicht alle gleich niedrigschwellig irgendwie
0:53:00–0:53:03
Zugang zum Stadion, gehört ja auch zu Wahrheit.
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Aber was mich im Anschluss an Annikas Frage noch interessieren würde,
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und vielleicht dann in dem Fall, weil es eine persönlichere Frage ist, die die Claudia dann vielleicht aus DFB mit DFB-Hut nicht beantworten kann, eher an dich, Jan.
0:53:18–0:53:27
Würdest du dir manchmal wünschen, auch wenn es solche vielleicht diskriminierenden Vorfälle gibt, dass Spieler*innen oder Spieler, die ja nur mal eine sehr, sehr große
0:53:27–0:53:32
Öffentlichkeit erreichen, sich für solche Themen stärker einsetzen würden?
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Also, weil es gibt ja schon sehr stark diese Tendenz, das abzutun,
0:53:36–0:53:50
und zu sagen, das ist irgendwie Politik, da wollen wir uns nicht einmischen, obwohl, und das sieht man jetzt aktuell bei Olympia, finde ich, total gut, so ein gesellschaftliches
0:53:50–0:53:58
Einmischen ja also absolut möglich ist und überhaupt keine politische Positionierung bedeutet, wenn Sportler*innen davor Angst haben.
0:53:58–0:53:59
Also sprich,
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ein Einstehen oder ein Lautwerden für solche gesellschaftlichen Themen, würdest du dir das manchmal von den Fußballer*innen mit ihrer großen Plattform wünschen?
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Ich find's schwierig, weil ich finde es darf eigentlich gar nicht so sein.
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Ich finde es schade, dass überhaupt darüber nachgedacht werden muss, finde ich.
0:54:21–0:54:24
Würden wir nicht Leute verurteilen, hätten wir das Problem gar nicht.
0:54:24–0:54:29
Würde jeder einfach machen, was er machen darf, hätten wir das Problem so in der Hinsicht nicht.
0:54:29–0:54:38
Klar, so Hasssachen teilweise wäre nicht schlecht, aber nur auf der Thematik zum Beispiel, dass, wie ich vorhin schon gesagt hatte, das Testosteron nicht das Können verändert.
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Damit man einfach so die grundlegenden Sachen mal klarer darstellt, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.
0:54:46–0:54:53
Mit den Hasskommentaren sehen wir leider, egal worauf es bezogen ist, es hat leider kein Ende, weil jeder sein Denken dazu hat.
0:54:53–0:55:00
Ich bin immer der Meinung, ich muss nicht mehr Plattform schenken zu der Thematik, um das noch größer werden zu lassen teilweise.
0:55:00–0:55:05
Nicht in der Hinsicht, dass ich dafür bin, dass das totgeschwiegen wird, aber ich finde es halt...
0:55:05–0:55:12
Blöd, weil wenn man bei Instagram manchmal Aufrufe sieht, die Kommentare, auch wenn jemand dafür einsteht, es ist so viel Hass dabei.
0:55:12–0:55:18
Und dann sage ich, stellt lieber die Fakten klar, wo man einfach nur sagen kann, so ist es.
0:55:18–0:55:21
So, dann kann jeder trotzdem sich seinen Urteil darüber bilden.
0:55:21–0:55:26
Aber ich muss nicht noch mehr auf Hasskommentare eingehen oder darunter mir durchlesen, was manche schreiben.
0:55:27–0:55:29
Ja, da bin ich sehr zwiegespalten, bin ich ehrlich.
0:55:32–0:55:34
Also wenn ich kurz dazu...
0:55:34–0:55:42
Also ich würde gerne was dazu sagen, du hattest das ein bisschen abmoderiert.
0:55:42–0:55:44
Also tatsächlich, ich glaube das sind ja zwei verschiedene Sachen.
0:55:44–0:55:55
Das eine ist so Hate Speech im Internet und so Diskriminierung und Beschimpfung von Personen im Internet.
0:55:55–0:56:01
Und das andere war ja, was du vielleicht auch meintest, ist so eine Positionierung zu bestimmten Themen.
0:56:01–0:56:02
im Rahmen des Sports.
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Zu dem Ersten kann ich sagen, da ist ja zum Beispiel für den DFB, haben wir ja auch eine Verantwortung unseren Sportler*innen gegenüber.
0:56:11–0:56:22
Also alle, die unter der DFB-Flagge oder unter dem DFB-Wappen spielen, für die haben wir ja eine Verantwortung und denen stehen wir auch mit Rat und Tat zur Seite, wenn es zu Hate
0:56:22–0:56:23
Speech kommt.
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Wir haben mittlerweile, nutzen ja selber auf unseren Kanälen, aber das wird auch den Spieler*innen angeboten.
0:56:29–0:56:33
Dass es so eine Filterfunktion gibt, wo das direkt ausgeblendet wird.
0:56:33–0:56:36
Und das müssen sie nicht nehmen, können sie machen.
0:56:36–0:56:37
Ist deren Entscheidung.
0:56:37–0:56:41
Kommt auch immer drauf an, wer diesen Kanal managt.
0:56:41–0:56:52
Und natürlich sind wir auch behilflich, wenn es zu solchen Hate Speech kommt, was auch verfolgungsfähig ist sozusagen, da Anzeige zu erstatten.
0:56:52–0:56:59
Man muss wissen, dass wir nicht im Namen von anderen Personen, also auch nicht von unseren Spieler*innen Anzeige erstatten können, sondern das müssen die selber.
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Und das möchten sie manchmal auch nicht.
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Ist ja jedem Betroffenen freigestellt.
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Also das muss man halt auch mit im Hinterkopf behalten.
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Aber ist auch schon vorgekommen.
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Und zu der anderen Sache, Bekundungen oder so Meinungsäußerungen.
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Auch da, glaube ich, haben wir als Verband halt eine...
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Aufgabe, eine Haltung zu entwickeln und zu der dann zu stehen.
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Und dann ist es, ich, auch für die Spieler*innen leichter, Positionen zu beziehen, wenn sie das denn wollen.
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Ich glaube, ist so ein bisschen, man muss das ein bisschen umdrehen.
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Wenn sie irgendwo bei einem Turnier für uns antreten sollen, brauchen sie auch, da sind wir wieder bei den Rahmenbedingungen.
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So einen Rahmen, in welchem Rahmen bewege ich mich, wofür steht der DFB dann überhaupt?
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Und das ist
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das zu erarbeiten.
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glaube, wissen wir alle, das ist halt auch immer ein sehr langwieriger Prozess und da sind auch immer sehr, sehr viele unterschiedliche Meinungen drin und das ist die Schwierigkeit
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dabei.
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Vielleicht eine ganz klassische Abschlussfrage, so wie man das früher immer am Ende von Interviews Leute gesagt hat, "und wo sehen sie sich in zehn Jahren?" Was wünscht ihr euch
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denn für das Thema?
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Also wenn ihr einen Wunsch habt für euch vielleicht einmal privat und einmal für Sportgesellschaft allgemein, was ist euer Wunsch für das Thema insgesamt vom heutigen Tag
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aus in die Zukunft geschaut?
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Also es ist eigentlich nicht ganz einfach, ich würde mir wünschen, dass jeder und jede Fußball spielen kann, so wie sie glücklich ist und dass alle anderen damit auch happy
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sind. Dass das auch weggeht von diesem Leistungsgedanken, gerade im Amateurfußball.
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Leistungssport ist ja nochmal, muss man da nochmal separat verhandeln, da sind wir ja noch gar nicht, aber das wäre mein Wunsch und das betrifft nicht nur Menschen aus dem Spektrum,
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geschlechtliche Vielfalt, sondern dass halt alle mitmachen können und dass das für alle okay ist und das alle...
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Klingt ein bisschen banal, aber dass alle Spaß haben.
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Das wäre der Wunsch.
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Das wäre schön.
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Ich würde mir einfach wünschen, dass jeder einfach spielen kann und sich über viele Sachen gar keinen Kopf machen muss.
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Und dass man der Hinsicht nicht viel Plattform schenken muss, dass es halt normal wird.
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Nicht, dass man alles immer diskutieren oder dass man darüber nachdenken muss, mit welchen Diskriminierungen müssen die sich überhaupt befassen oder wie müssen wir den Leuten
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helfen.
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Wäre das nicht so ein Riesenthema, bräuchten wir das alles gar nicht.
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Ich finde, jeder soll jeden lassen, wie er darf.
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Was regelkonform ist, einfach nicht hinterfragen, es ist so, hinterfragen in dem Sinn ja, aber nicht negativ hinterfragen, sondern er darf spielen, ok Punkt.
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Ich lass ihn spielen, es ist kein Vorteil im fußballerischen Sinne oder sonst was, sondern er darf seine Sportart ausleben, darf Spaß haben und das ist eigentlich so das, was ich
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mir wünsche auch für die Zukunft, dass die Leute weniger mit Anfeindungen oder Kommentaren zu tun haben, sondern einfach
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Fußball spielen können, weil sie Spaß dran haben.
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Ja, sehr wahr und sehr schön und auch sehr nah beieinander, was jetzt nicht total überrascht.
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Vielen, vielen, Dank euch beiden, dass ihr euch heute die Zeit für uns genommen habt.
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Und ich sag mal, vielen lieben Dank Berlin, dass ihr uns heute zugeschaut und zugehört, dass ihr uns zu euch eingeladen und bei euch willkommen geheißen habt auf diesem digitalen
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Wege.
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Wir hoffen, ihr konntet ein bisschen was mitnehmen aus dem Podcast.
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Uns hat das jedenfalls in der Vorbereitung und auch im Gespräch heute sehr viel Spaß gemacht und wir haben auch von Claudia und Jan wieder viel mitnehmen können.
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Dankeschön.
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Und ja, das Abschlusswort vielleicht auch noch an die Hörer*innen überlasse ich dann jetzt mal Annika zum Ende dieser hundertsten Folge.
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Ja, auch von mir danke an unsere beiden Gäst*innen und großes Dankeschön auch an Mara.
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Und ja, 100 Folgen, drei Jahre gibt es jetzt diesen Podcast.
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Das ist auch eine Hausnummer.
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Wir freuen uns natürlich, wenn euch die Folge gefallen hat, wenn ihr uns Kommentare und Bewertungen da lasst.
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Wenn ihr uns jetzt vielleicht durch die Folge auch erst kennengelernt habt, freuen wir uns natürlich auch, wenn ihr den Podcast abonniert und uns
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auf Social Media folgt, findet uns bei Instagram, YouTube und Blue Sky.
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Ja, damit würde ich dann mal sagen, bis zum nächsten Mal und macht's gut, ihr Lieben.
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Vielen, vielen, vielen Dank an Safa!
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Jaaa!
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Tschüss!
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Tschüss!
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schön, ciao ciao!
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ciao!

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